Gutartige Prostatavergrößerung (BPH)
Gutartige Prostatavergrößerung (BPH)
Die Ursachen für die Entstehung einer gutartigen Prostatavergrößerung sind im Detail noch unklar. Es wird unter anderem ein gestörtes hormonelles Zusammenspiel von männlichen und weiblichen Hormonen angenommen, zumal die Vergrößerung der Prostata in eine Lebensperiode absinkender Testosteron-Plasmaspiegel fällt. Es kommt vor allem zu einem Anwachsen der so genannten ”Innendrüse”, wodurch die eigentliche Prostatadrüse nach außen verdrängt wird. Während eine normale Prostata die Größe einer Kastanie hat und ca. 20 Gramm wiegt, kann sie bei der gutartigen Prostatavergrößerung die Größe einer Apfelsine mit einem Gewicht von über 120 Gramm erreichen.
Untersuchungen
Die Diagnose der Erkrankung ergibt sich durch die typischen Beschwerden mit langsam zunehmenden Problemen beim Wasserlassen und durch die ärztliche Untersuchung. Ein Abtasten der Prostata mit dem Finger über den Enddarm durch einen Urologen ist unabdingbar, da auf diese Weise die Größe des Organs bestimmt und vor allem ein Prostatakrebs ausgeschlossen werden kann. Eine wichtige und ebenfalls völlig harmlose Untersuchung ist ebenfalls die Messung des Harnstrahls und der Dauer des Wasserlassens (Uroflowmetrie). Normalerweise ist der männliche Harnstrahl bogenförmig und ca. bleistiftdick. In 20-30 Sekunden sollte die Blase entleert sein. Wesentlich ist die Bestimmung des Restharns (Urin, der nach dem Wasserlassen in der Blase verbleibt). Der Restharn wird sonographisch gemessen und beträgt normalerweise nicht mehr als 20 ml. Weitere in Betracht kommende Untersuchungen, die ein Urologe durchführt, sind die sonographische Bestimmung der Prostatagröße, die radiologische Untersuchung des Kontrastmittelabflusses über die Nieren und Harnleiter (Urogramm) und die radiologische Darstellung der Harnröhre (Urethrozystogramm). Eine Blutabnahme informiert über die Funktion der Nieren und gibt Aufschluss über spezielle Prostatawerte (PSA).
Behandlungen
Im Frühstadium sind durch pflanzliche Medikamente (z.B. Kürbiskernextrakte, Brennnesselextrakte) und änderung der Lebensweise (z.B. Meiden von Kälte, Alkohol sowie Gewichtsabnahme) gute Erfolge zu erzielen. Es kommt zwar nicht zu einer wesentlichen Verkleinerung der Prostata, jedoch vermindern sich meist die Beschwerden und die Häufigkeit des Wasserlassens. Die pflanzlichen Medikamente und die änderung der Lebensweise stellen wesentliche Säulen der Frühbehandlung dar. Neuere Medikamente (z.B. a-Blocker, 2a-Reductase-Hemmer) beeinflussen auf verschiedenen „hormonellen“ Wegen die Prostata und erzielen in den Frühstadien ebenfalls gute Erfolge, so dass ein medikamentöser Behandlungsversuch unter ärztlicher Kontrolle bei einer noch nicht zu weit fortgeschrittenen Prostatavergrößerung stets gerechtfertigt ist. Eine regelmäßige Kontrolle des Harnstrahls und des Restharn sind jedoch unbedingt notwendig. Bei Restharmengen über 100 ml sowie häufigen Infekten, Harnverhalt oder einer Harnstauung mit Beteiligung der Nieren ist eine operative Therapie vorzunehmen.
Operative Verfahren
1. Transurethrale Resektion der Prostata (TUR-P)
Dieses Verfahren stellt bei der Prostatavergrößerung den Standardeingriff dar, zu dem sehr gute Langzeitergebnisse vorliegen. Ein Bauchschnitt ist nicht notwendig. Die vergrößerten Prostataanteile werden durch die Harnröhre ausgeschält. Dies geschieht mittels eines Endoskops mit einer elektrischen Schlinge, wobei das Prostatagewebe durch die Harnröhre in einzelnen Spänen Stück für Stück entfernt wird. Es wird jedoch nicht die gesamte Prostata entfernt. Für eine transurethrale Resektion sollte das Gewicht der Prostata nicht mehr als 80 Gramm betragen. Der Eingriff erfolgt in Allgemeinnarkose oder Rückenmarksnarkose. Nach dem Eingriff muss für einige Tage ein Katheter getragen werden, über den die Blase gespült wird.
2. Suprapubische Entfernung der Prostata.
Bei einer Prostatagröße von über 80 Gramm wird eine offene Operation (mit Hautschnitt) durchgeführt. Die Prostata wird mit dem Finger ausgeschält, wobei auch hier nur die vergrößerten Anteile der Prostata entfernt werden. Je nach Operationsmethode wird u.U. die Blase eröffnet, so dass gleichzeitig Blasensteine beseitigt werden können. Der postoperative Katheter muß etwas länger als bei der transurethralen Resektion liegen bleiben. Alle Verfahren weisen eine niedrige Komplikationsrate auf. Mögliche, aber seltene Hauptkomplikationen der transurethralen Resektion und der Schnittoperation sind ein erhöhter Blutverlust und eine Schädigung des Schließmuskels. Die Operationsdauer liegt im Allgemeinen etwas über einer Stunde. Der Krankenhausaufenthalt beträgt nur wenige Tage. Bei den genannten Prostataoperationen bleibt die Potenz erhalten. Allerdings kommt es meist zu einem so genannten trockenen Orgasmus, d.h., der Samen fließt in die Blase. Somit ist Unfruchtbarkeit häufig Folge einer Prostataoperation.