Männliche Sexualität: Ein Lebenselixier

Epidemiologie und Ursachen der Erektionsstörungen

Wenn Männer dauerhaft unter unzureichenden Erektionen litten, wenn "es" nicht klappte, war lange Zeit Schweigen angesagt - sogar in der Wissenschaft. Für mehr als fünf Jahrzehnte stellte der Kinsey-Report aus dem Jahr 1948 die einzige brauchbare Studie zum Sexualverhalten und zur Sexualstörung dar.

Ursachen

Die derzeit aussagekräftigste Studie zu Erektionsstörungen basiert auf der Kölner Umfrage bei 10.000 Männern. Sie wies nach, dass jeder fünfte Mann zwischen 30 und 80 Jahren an schwerwiegenden Erektionsstörungen leidet. Es wurde festgestellt, dass fast jeder zweite Mann ab dem 40. Lebensjahr über geringfügige bis hin zu gravierenden Erektionsproblemen klagt. Mittlerweile übertrifft die Erektionsstörung zahlenmäßig die anderen typischen Zivilisationserkrankungen wie Bluthochdruck (Hypertonie), Koronare Herzkrankheit, Zuckerkrankheit (Diabetes), Hyperlipidämie oder generalisierte Arteriosklerose bei weitem.

Allerdings sind die Zeiten vorbei, in denen der Mann sich resignierend seinem Schicksal ergab. "Sex im Alter" spielt heute eine weit größere Rolle als noch vor einigen Jahrzehnten. Für eine sexuell wesentlich aufgeklärtere, freizügigere Nachkriegsgeneration wird eine intakte Sexualität immer wichtiger. Die Kölner Studie zeigte u.a. auch, dass für 98 % aller 50- bis 60-jährigen Männer Sexualität sehr wichtig ist oder zumindest die "Würze des Lebens" bedeutet. Bei den 70- bis 80-Jährigen sind noch 70 % dieser Meinung, so dass Sexualität an sich, oder besser: dass erlebte Sexualität als ein essentieller Faktor der Lebensqualität anzusehen ist. Die Sexualität wird als Quelle von Lebensfreude betrachtet.

Ursachen

Noch bis vor etwa 15 Jahren war man der Ansicht, dass Erektionsstörungen zum großen Teil psychologische Ursachen hätten. Wir wissen heute, dass in zumindest 55-90 % aller Fälle von Erektionsstörungen eine organische (körperliche) Beeinträchtigung vorliegt, wie beispielsweise Veränderungen am Penis direkt, seiner Blutversorgung (Arteriosklerose) oder an den Nervenbahnen (Diabetes). In vielen Fällen ist jedoch eine eindeutige Zuordnung von organischen oder psychischen Auslösern nicht möglich, weshalb heute die Klassifikation der erektilen Dysfunktion in drei Gruppen vorgenommen wird: Organische, psychische und gemischte Formen.

Zurück nach oben

Organische Ursachen:

Organische, also körperlich bedingte Ursachen einer Erektionsstörung sind oft die Folge von akuten oder chronischen Gesundheitsschäden, denen hormonelle, neurologische oder die Gefäße betreffende Ursachen zugrunde liegen. Eine organisch bedingte Erektionsstörung lässt sich dann vermuten, wenn es zu einem allmählich fortschreitenden Verlust der vollständigen Erektionsfähigkeit und Steifheit des Penis kommt, wobei sich die Symptomatik sowohl auf den normalen Geschlechtsverkehr als auch auf Masturbation oder nächtliche Spontanerektionen erstreckt. Von den körperlich bedingten Erektionsstörungen sind wiederum 54 % auf Erkrankungen der Blutgefäße zurückzuführen.

Die Hauptursache für Erektionsprobleme sind aber in den meisten Fällen systemische Krankheiten wie:

Naturgemäß werden organisch bedingte Erektionsstörungen im Laufe der Zeit durch hinzutretende psychologische oder partnerschaftliche Probleme kompliziert; in manchen Fällen können geringe organisch verursachte Erektionsstörungen zu Versagensängsten führen, die Stress auslösen, und dies wiederum wirkt sich negativ auf das unwillkürliche Nervensystem aus. Letztendlich können psychische Faktoren so weit in den Vordergrund treten, dass sie primär für die Erektionsstörung verantwortlich werden.

Zurück nach oben

›› Gefäßerkrankungen

Gefäßerkrankungen, die die Durchblutung im Penis beeinträchtigen, sind: Herz-Kreislauferkrankungen, koronare Herzkrankheit (KHK), Arterienverkalkungen (Arteriosklerose), Bluthochdruck (Hypertonie) und beispielsweise hoher Cholesterinspiegel.

Die Erektionsstörung kann sogar als Frühsymptom einer generalisierten Arterienverkalkung angesehen werden. Während der sexuellen Erregung ist die funktionelle Durchblutungssteigerung aufgrund der Gefäßwandveränderungen nicht ausreichend. Die erektile Dysfunktion gilt aufgrund dieser engen Verbindung zur generalisierten Arteriosklerose als anerkannter Vorbote (Prodomi) einer koronaren Herzkrankheit (KHK). Im Allgemeinen treten die Symptome der verminderten Erektionsfähigkeit ein bis fünf Jahre vor den durchblutungsbedingten Herzbeschwerden auf. D.h., jeder Patient mit Erektionsschwächen sollte zur Darstellung der Durchblutungsverhältnisse vom Urologen am Penis duplex-sonographisch untersucht werden nach dem Motto: Der Penis - die Antenne des Herzens. Bei schwerer peniler Durchblutungsstörung sollten diese Männer unbedingt einer kardiologischen Diagnostik zugeführt werden.

Studien zeigten bei ca. 40 % der Männer mit behandelter Herz-Kreislauferkrankung einen kompletten Erektionsverlust. Dabei war die Wahrscheinlichkeit einer erektilen Dysfunktion bei Rauchern deutlich erhöht: Bei behandelten herzkranken Nichtrauchern fand sich ein kompletter Erektionsverlust in 21 % der Fälle gegenüber 56 % bei Rauchern.

Jeder zweite Patient mit einem nachgewiesenen Bluthochdruck hat Erektionsstörungen (viele Männer kennen aber ihren Blutdruck überhaupt nicht), und ebenso betroffen sind rund 80 % der Herz-Kreislauf-Patienten.

Zurück nach oben

›› Zuckerkrankheit

Zuckerkrankheit (Diabetes) kann sowohl die Nerven schädigen als auch die Durchblutung beeinträchtigen. Zu den häufigsten Ursachen der erektilen Dysfunktion gehört der im Alter auftretende Diabetes. Beispielsweise kommt es bei mehr als 50 % der Männer mit Altersdiabetes innerhalb von zehn Jahren nach dieser Diagnose zu Erektionsstörungen.

Andererseits kann die erektile Dysfunktion auch ein Vorbote für die Entwicklung von Diabetes sein und sogar erkennbaren Veränderungen der Zucker-(Glukose-)toleranz vorausgehen.

Zurück nach oben

›› Nervenerkrankungen

Schädigungen von Nerven und Gehirn durch Krankheiten, Verletzungen oder Operationen, welche das Gehirn und /oder die Verbindung zwischen zentralem Nervensystem (Rückenmark-Nerven) und Penis unterbrechen, können die Übertragung der Nervenimpulse in den Penis stören. Entsprechende Schädigungen treten auf z.B. bei Multipler Sklerose, Rückenmarksverletzungen, Missbildungen im Rückenmarksbereich, Tumoren, Bandscheibenvorfällen, Nervenerkrankungen (z.B. bei Zucker- oder Alkoholkrankheit), Schlaganfällen, Parkinson- oder Alzheimererkrankungen, Gehirnverletzungen und anderen neurologischen Erkrankungen.

Zurück nach oben

›› Hormonstörungen

Hormonstörungen, Nierenversagen und Dialysebehandlungen senken den Spiegel des männlichen Geschlechtshormons (Testosteron) auf einen zu geringen Wert. Für den männlichen Sexualtrieb sind besonders die in den männlichen Keimdrüsen gebildeten Hormone von Bedeutung: Testosteron ist mit Abstand das wichtigste Sexualhormon des Mannes. Es ist nicht nur für die Ausbildung der sekundären männlichen Geschlechtsmerkmale verantwortlich, sondern hat unter seinen zahlreichen weiteren Aufgaben auch wesentlichen Anteil am Entstehen sexueller Lust. Unlust am Sex ist übrigens auch bei einer Schilddrüsenunterfunktion fast unausweichlich.

Zurück nach oben

›› Operationen

Operationen an der Vorsteherdrüse (Prostata), am Darm oder an der Harnblase sowie andere Eingriffe im Beckenbereich können Nerven und Blutgefäße beschädigen.

Zurück nach oben

›› Drogenkonsum

Rauchen, Alkohol- und Drogenkonsum können die Durchblutung, die Nervenfunktionen und andere für den Erektionsvorgang wichtige Körperfunktionen - u.U. erheblich - beeinträchtigen.

Zurück nach oben

›› Medikamente als Erektionskiller

Auch die Einnahme von Medikamenten löst nicht selten Erektionsprobleme aus. Bei über 200 Arzneien ist diese Nebenwirkung bekannt. Sehr häufig kann die Erektionsstörung durch das Absetzen solcher Medikamente beziehungsweise durch die Einnahme alternativer Arzneien völlig geheilt werden. Setzen Sie sich jedoch bei einem geplanten Medikamenten-wechsel zuvor unbedingt mit Ihrem Arzt in Verbindung und besprechen Sie Vor- und Nachteile! Im Zweifel ist eine Erektionsstörung nachrangig, wenn durch Medikamente schlimmeren Erkrankungen vorgebeugt werden kann.

Kritische Medikamente sind:

  • Manche Herzmittel
  • Antidiabetika (Mittel gegen Zuckererkrankung)
  • Entwässerungsmittel (Diuretika)
  • Tranquilizer (Beruhigungsmittel), Antidepressiva, Anxiolytika (Psychopharmaka)
  • Antiandrogene (beispielsweise zur Therapie des Prostatakarzinoms)
  • Aufputschmittel, Drogen
  • Medikamente zur Behandlung von Krebs (Zytostatika)

Zurück nach oben

Psychogene Ursachen:

Neben den organischen Beschwerden können psychische Probleme wie Depressionen oder Stress, insbesondere übertriebene Erwartenshaltungen und Leistungsdenken, sowie Angst als Liebeshemmer auftreten. Beinahe 90 Prozent der Männer mit schweren Depressionen haben auch Erektionsprobleme. Umgekehrt haben Männer mit Erektionsproblemen auch ein ca. 3fach erhöhtes Risiko, eine Depression zu erleiden.

Im Krankheitsverlauf ergeben sich zumeist dann Hinweise auf eine psychisch bedingte Erektionsstörung, wenn diese abrupt und unvermittelt auftritt bzw. wenn sie sich auf ein bestimmtes Erlebnis bzw. Ereignis zurückführen lässt. In der Regel bleibt in diesen Fällen die Fähigkeit erhalten, eine nächtliche Erektion zu erlangen oder zu masturbieren.

Seelische Faktoren, die zu einer Erektionsstörung führen können:

  • Depressionen
  • Religiöse Hemmung
  • Sexuelle Phobien und Abweichungen
  • Versagensängste
  • Partnerkonflikte
  • Sexuelle Hemmung
  • Von denen des Partners abweichende sexuelle Vorlieben
  • Erlittener sexueller Missbrauch in der Kindheit
  • Angst vor einer Schwangerschaft oder einer Geschlechtskrankheit

Zurück nach oben

Alter als Störungsursache:

Männer um das 20. Lebensjahr befinden sich auf dem Höhepunkt ihrer sexuellen Leistungskraft. Erreichen Männer das vierte Lebensjahrzehnt, bemerken sie, dass ihre Erektionskraft zunehmend schwächer wird: Die Potenz lässt nach und es bedarf oft einer längeren und stärkeren Stimulation, bis eine volle Erektion erreicht wird. Der Penis wird allmählich nicht mehr ganz so steif, der Samenerguss ist weniger häufig wiederholbar.

Alter

Mit fortschreitendem Alter entwickelt sich ein zunehmender Elastizitätsverlust des penilen Bindegewebes, der auf veränderte Stoffwechselvorgänge zurückgeführt wird. Jeder dritte Mann zwischen 40 und 50 leidet an leichten bis mäßigen Potenzstörungen. Rund fünf Prozent sind vollständig impotent. Zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr hat sich die Zahl der schweren Fälle von erektilen Dysfunktionen schon mehr als verdoppelt. Zwölf Prozent bekommen gar keine Erektion mehr. Von den 60- bis 70-jährigen Männern leiden drei von fünf an leichten bis mittelschweren Erektionsstörungen, 15 Prozent haben ihre Erektionsfähigkeit komplett eingebüßt. Bereits ab 70 bleibt die Erektion dem Großteil der Männer versagt. Drei von vier Männern leiden dann an einem völligen Erektionsverlust. Die altersbedingte Zunahme von Erektionsstörungen bedeutet de facto, dass mindestens 2 Drittel aller Männer im Laufe ihres Lebens mit Erektionsstörungen konfrontiert werden. Andererseits muss das Alter nicht grundsätzlich bzw. immer mit Potenzproblemen verbunden sein: Denn schließlich erfreut sich noch jeder vierte Mann über 80 an einer unbeeinträchtigten Erektionsfähigkeit.

Zurück nach oben