Fahrradfahren und Erektionsstörungen

Wie häufig sind Radfahren und Erektionsstörungen?

Eine Untersuchung bei 1786 männlichen Fahrradsportlern zeigte, dass die Rate der Erektionsstörungen zwei- bis dreimal höher lag, als bei Nicht-Fahrradsportlern, der gleichen Altersgruppe.

Warum kann es zu Erektionsstörungen kommen?

Um zu verstehen, warum eine erektile Dysfunktion durch Radfahren verursacht werden kann, müssen einige Besonderheiten der männlichen Physiologie und Anatomie bekannt sein:

Der Penis besteht aus einem elastischen Gewebe und setzt sich überwiegend aus paarig angelegten Schwellkörpern zusammen. Während einer sexuellen Stimulation füllen sich diese beiden Schwellkörper mit Blut, bis der Penis hart und erigiert ist. Nach Beendigung der Stimulation oder nach einer Ejakulation fließt das Blut wieder ab und der Penis erschlafft. Auslöser für diesen erhöhten Blutfluss sind nervale Impulse, die im Gehirn entstehen und über das Rückenmark zum Penis gelangen. Alle diesbezüglichen wichtigen Leitungen (Nerven, Blutgefäße) liegen zusammen in einem Bereich, dem Perineum, zwischen den Beckenknochen.

Beim Fahrradfahren lastet das Körpergewicht genau zwischen den Beckenknochen auf diesem Bereich, und somit wird Druck ausgeübt auf die Arterien und Nerven, die zum Penis führen. Da diese Gefäße und Leitungsbahnen im Wesentlichen ungeschützt sind, ist die Gefahr, sie zu beschädigen, relativ groß - möglicherweise besteht auch eine Gefährdung durch den chronisch einwirkenden Satteldruck. Mehr als 30 % des Penis befinden sich im Inneren des Körpers. Wenn ein Mann auf einem Fahrradsattel sitzt, lastet ein großer Teil seines Oberkörpergewicht auf der Arterie, die den Penis mit Blut versorgt. Zusätzlich kann der Nerv, der für die Erektion wichtig ist, gegen den Schambeinknochen gedrückt werden, hervorgerufen durch Vorwärtsneigung des Oberkörpers. Diese Kompression durch den Fahrradsattel vermindert ebenfalls die Blutzufuhr zum Penis.

Hier können Sie eine Animation hierzu sehen [MPEG: 1,38 MB]

Als weitere Ursache der Erektionsstörung, kommt die perineale Kompression, der Bereich zwischen den Beckenknochen, während des Radfahrens in Betracht: Sie führt zu einer Minderdurchblutung des Penis, dies geht mit einer verminderten Sauerstoffversorgung des Penis einher und hat eine Gewebsveränderung (penile Fibrosierung) zur Folge. Das Resultat sind verminderte Erektionen bis hin zu Erektionsstörungen.

Weitere Informationen zu Radfahren und Erektionsstörungen [PDF: 1 MB]

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Was können Betroffene machen?

  • Sie sollten sich bei einem Urologen vorstellen! Dieser kann Anhand von folgenden Punkten die Ursache der Beschwerden feststellen:
  • Durch spezielle Fragebögen (beispielsweise IIEF-Fragebogen und Sommer-Fragebogen, alle auch als Anfrage per E-Mail erhältlich: webmaster@maennergesundheit.info)
  • Eine gezielte körperliche Untersuchung
  • Spezielle Untersuchung der Durchblutung des Penis (beispielsweise mittels einer Doppler-Duplex-Sonographie)

An dem Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf wird diese spezielle Untersuchung angeboten: Hierzu bringen Betroffene ihre Sättel und ggf. ihr Fahrrad mit.

Während des Radfahrens auf dem eigenen Sattel, wird die Durchblutung erfasst. Hierzu wird eine speziell entwickelte Elektrode an den Penis angelegt. Diese ermöglicht während des Radfahrens unter Laborbedingungen eine Messung

Hier können Sie die Video-Aufzeichnung einer Messung bei einem schlecht eingestellten Fahrrad sehen [MPEG: 5,18 MB]

Das Fahrrad kann so eingestellt werden, dass die Durchblutung nicht eingeschränkt wird. Auf Wunsch können auch andere Sättel getestet werden, bis ein entsprechend geeigneter Sattel gefunden wird - da die Anatomie von Mann zu Mann sehr verschieden sein kann.

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Aber...

Radfahren fördert die Ausdauer, schont die Gelenke und ist als Breitensport für fast jeden geeignet. Kaum eine Sportart ist vom Kraftaufwand her ökonomischer als Fahrradfahren: Insbesondere ist diese Art von körperlicher Bewegung vor allem für die Menschen von Vorteil, die unter Gelenkbeschwerden leiden.

Selbst bei geringen Geschwindigkeiten kann die Ausdauer gefördert werden. Herz, Lunge und Atemfunktionen werden kräftiger. Die Ausübung an der frischen Luft hat zudem einen guten Effekt auf das Immunsystem. Und auch der Seele tut Radfahren gut: Das Strampeln baut Stress ab.

›› Besonders geeignet für...

Gerade für Übergewichtige ist Radfahren als Ausgleichssport zu empfehlen, weil Bänder, Sehnen und Gelenke nicht überlastet werden. Dies gilt auch für Menschen mit Gelenkbeschwerden und Arthrose an Hüft-, Knie- oder Sprunggelenken. Wichtig: Keine zu großen Gänge einstellen, besser mit möglichst kleinen Übersetzungen und einer relativ hohen Trittfrequenz radeln. Auch nach einer Meniskus- oder Kreuzbandoperation ist Radeln eine der ersten Sportarten, die auf sanfte Weise das Gelenk wieder beweglicher macht und kräftigt. So kann einer Rückbildung (Atrophie) der Muskulatur vorgebeugt und die Gelenkfunktion frühzeitig verbessert werden.

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